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Vom Sandplatz auf die Couch – und im Oktober zurück zu Erdmann


Die Fallakten für sechs Erdmann-Bände sind längst geschrieben oder angelegt. Veröffentlicht werden sie trotzdem mit Bedacht. Während Kommissar Erdmann auf seinen nächsten Einsatz wartet, ist in Claudios Schreibwerkstatt bereits eine neue Buchwelt entstanden – zwischen einer Praxis in Schöneberg und einer Terrasse an der niederländischen Nordseeküste.

Wer in den vergangenen Monaten im Dezernat nach Kommissar Erdmann gefragt hat, bekam keine besorgniserregende Antwort. Der Kommissar ist weder verschwunden noch endgültig in den Ruhestand zurückgekehrt. Im Gegenteil: Seine kommenden Ermittlungen sind längst vorbereitet.

Bereits 2025 hat Claudio Gärtner die Fallakten für insgesamt sechs Bände niedergeschrieben beziehungsweise konzeptionell angelegt. Erdmanns Zukunft ist damit gut gefüllt: mit neuen Schauplätzen, menschlichen Verwicklungen und jenen kleinen Ungereimtheiten, die auf den ersten Blick harmlos erscheinen und sich erst bei genauerem Hinsehen als ausgewachsene Fälle erweisen.

Trotzdem werden die Bücher nicht alle auf einmal veröffentlicht. Eine Buchreihe braucht Luft zwischen ihren Auftritten. Jeder Band soll die Zeit bekommen, entdeckt, gelesen und weiterempfohlen zu werden. Erdmann arbeitet schließlich auch nicht sechs Fälle gleichzeitig ab, nur weil die Akten bereits auf seinem Schreibtisch liegen.


Ein vorübergehender Wechsel ins Sprechzimmer


Der Vorsprung bei den Erdmann-Geschichten hat Claudio die Möglichkeit gegeben, sich zwischenzeitlich einem anderen Buchprojekt zuzuwenden. Sein Arbeitstitel:

„Ganz normal gestört“

Im Mittelpunkt steht ein Psychotherapeut mit eigener Praxis in Berlin-Schöneberg. Über mehrere Bände hinweg begegnet er dort den unterschiedlichsten Menschen und ihren ebenso ungewöhnlichen wie erstaunlich vertrauten Problemen.

Die neuen Geschichten bewegen sich zwischen Komik und Ernst, zwischen verschobener Selbstwahrnehmung, gut gepflegten Marotten und jenen Lebenskrisen, die sich nicht zuverlässig an Sprechstundenzeiten halten. Manche Patienten betreten die Praxis mit einem klaren Anliegen und verlassen sie mit einer ganz anderen Frage. Andere sind fest davon überzeugt, dass ausschließlich ihre Mitmenschen eine Therapie benötigen.

Der Therapeut hört zu, fragt nach und versucht, Ordnung in Lebensgeschichten zu bringen, die sich hartnäckig gegen jede ordentliche Sortierung wehren. Dabei zeigt sich immer wieder: Das vermeintlich Absonderliche ist häufig erstaunlich normal – und das angeblich Normale bisweilen ziemlich gestört.


Geschrieben zwischen Teich und Nordseelicht


Viele Ideen für das neue Projekt entstanden während der Sommerferien in den Niederlanden. Claudio saß dort häufig auf einer Terrasse, vor sich einen kleinen Teich und dahinter das Licht der untergehenden Sonne an der Nordsee.

Ein ruhiger Ort, zumindest äußerlich.

Während sich das Abendlicht auf dem Wasser spiegelte, nahm die Schöneberger Praxis auf dem Papier zunehmend Gestalt an. Figuren betraten das imaginäre Sprechzimmer, erzählten von ihren Sorgen, verteidigten ihre Eigenheiten und lieferten gelegentlich Antworten auf Fragen, die noch gar niemand gestellt hatte.

So wurde aus der Urlaubsterrasse vorübergehend eine ausgelagerte Schreibwerkstatt. Der kleine Teich lieferte die Ruhe, die Nordsee den Horizont – und die neuen Figuren sorgten zuverlässig dafür, dass es gedanklich trotzdem nie allzu beschaulich wurde.


Und was macht Erdmann?


Der wartet.

Nicht ungeduldig, nicht beleidigt und schon gar nicht untätig. Seine nächsten Akten liegen bereit. Sie werden lediglich nicht im Eiltempo in den Buchhandel geschickt.

Am 12. Oktober 2026 erscheint  der dritte Band von „Erdmann ermittelt“. Er enthält die Fallakten 14 bis 16 und führt den Kommissar zurück in eine Welt, in der sportliche Regeln noch lange nichts über menschliche Fairness verraten.

Bis dahin darf der Blick einmal vom Sandplatz nach Schöneberg wandern. Von den Abgründen eines Tennisvereins zu den Untiefen des menschlichen Seelenlebens ist es möglicherweise ohnehin kein besonders weiter Weg.

Und Erdmann?

Der kennt das mit dem geduldigen Warten. Entscheidend ist schließlich nicht, wer zuerst auftritt – sondern wer im richtigen Moment wieder da ist.