
Es begann nicht mit einem Schuss, sondern mit einem Seitenblick. Claudio Gärtner saß auf einer Tribüne, irgendwo zwischen drittem Doppelfeld und zweiter Portion Kartoffelsalat, als ihm auffiel, dass auf Tennisplätzen weit mehr passiert als nur Aufschläge und Netzfehler. Da ist Stolz. Da sind alte Rechnungen. Da sind Wortgefechte, die höflich beginnen und mit zischenden „Lass uns später reden“-Momenten enden. Und da sind Figuren, die im Schatten der Clubhausterrasse mehr zu erzählen scheinen als ein ganzer Sonntagstalk im Fernsehen.
Claudio, eigentlich Journalist, immer mit einem halben Ohr für das, was nicht gesagt wird, notierte sich erst beiläufig. Dann regelmäßig. Dann mit System. Aus beiläufigen Beobachtungen wurden Ideen, aus Ideen Szenen, aus Szenen ein Konzept. Und irgendwann stand er da: Kommissar Erdmann a.D. – ein Ermittler mit Berliner Schnauze, thermosgebrühtem Spürsinn und der seltenen Fähigkeit, den Mensch hinter dem Doppelfehler zu erkennen. Erdmann ist keiner von den Lauten, keiner von den schnellen Schlussfolgern. Er ist der, der auf der Tribüne sitzen bleibt, wenn alle schon beim Bier sind. Der, der zuhört, wenn andere reden, und schweigt, wenn es am wichtigsten ist.
Die Idee war geboren: Kriminalfälle, angesiedelt im Mikrokosmos eines Tennisvereins. Humorvoll, aber nicht albern. Spannend, aber nicht blutig. Elegant im Ton, mit einer Prise Bratensoße und einer Handvoll Berliner Direktheit. Claudio Gärtner wollte kein klassisches Krimibuch schreiben. Er wollte ein literarisches Spielfeld schaffen, auf dem Verbrechen dort passieren, wo man sie am wenigsten erwartet: im weißen Hemd, mit Sonnenbrille im Haar und einem leicht angespannten Lächeln nach dem dritten Doppelfehler.
Ziel ist es, aus diesen Geschichten ein Buch zu machen. Oder besser: einen Band voll grotesker Alltäglichkeiten, voller Widersprüche, kleiner Tragödien und großer Eitelkeiten – und mittendrin ein Kommissar, der eigentlich längst in Rente ist, aber merkt: Nur weil der Dienst vorbei ist, heißt das nicht, dass die Wahrheit keinen Platz mehr braucht. Derzeit entstehen die Fälle einzeln, mit viel Liebe zum Detail, mit einem Gespür für Tempo, Zwischentöne und Wendungen, die sich erst dann zeigen, wenn man glaubt, alles verstanden zu haben. Ein Fall dauert oft Wochen, manche sogar Monate. Nicht, weil die Beweislage dünn wäre – sondern weil Qualität nicht auf der Uhr, sondern auf der Linie entsteht.
Dass das Projekt irgendwann auch als Podcast oder Hörbuch erscheint, steht im Raum – aber nicht im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt steht das Schreiben. Das Erzählen. Die Lust an Sprache, Spannung und Stil. Und vielleicht auch ein kleines Augenzwinkern in Richtung aller, die denken, dass auf einem Tennisplatz nur Sport passiert.
Claudio Gärtner sagt über sich selbst, er sei ein stiller Beobachter mit Hang zum Überzeichnen. Aber wer die Fälle von Erdmann liest, merkt schnell: Da schreibt einer, der genau hinhört. Und der weiß, dass das Verbrechen oft dort beginnt, wo der Smalltalk endet.